Gwendolin, meine "Trösterseele"

Eines Tages, es war kurz nach Neujahr, machte Timmy eine interessante Entdeckung. Er hatte sich gerade mit seinem besten Kumpel Flo beratschlagt, ob sie sich in die Küche schleichen sollten, um etwas Honig zu naschen. Noch besser waren allerdings die Weihnachtsguetzli - die Weihnachtsplätzchen. Da hörte Flo ein Geräusch. Komisch, leicht stupfte er Timmy an. "Du, da ist jemand bei dem Blumentopf auf der Fensterbank. Timmy, siehst Du es?" leise flüsternd deutete Flo in Richtung Fenster, "die sieht aber lustig aus!" kicherte er.Timmy schaute zum Fenster hin. Im ersten Moment sah er nur ein braunes Etwas auf dem Blumentopfrand sitzen, sich mit den dünnen Ärmchen an dem Stamm der Yucca festhaltend. Dann grinste er ganz breit:"Aber Flöchen, erkennst denn nicht, wer das ist? Beate-Mama hat uns doch Bilder gezeigt. Uuuund dann hat sie doch bei der Manuela dieses komische Buch bestellt. Erinnerste Dich denn nich' ?" Flo überlegte einen Moment, dabei wäre er fast vom Sofa gekugelt vor lauter Überlegen. Da war doch was? Jaaaa, stimmt, was mit 'nem Buch und einem Schnittmuster und einem Geschöpf, das daraus entstehen sollte!
Aber er kam nicht mehr auf den Namen. Inzwischen war Timmy vom Sofa gerutscht und zum Fenster getippelt. " Hallo, Du, wie heisst Du denn? Uuund überhaupt, wie kommst Du denn auf den Blumentopfrand?" freundlich lächelnd schaute er hinauf zur Pflanze, wo ein etwas merkwürdig aussehendes kleines Geschöpfchen sass.
"Ich heisse Gwendolin," tönte ein leises, schüchterndes Stimmchen von oben. "Und wer seid Ihr? - Wie ich hierher komme, weiss ich eigentlich gar nicht so genau. Zuerst war ich noch im Trösterseelenland und auf einmal sass ich hier."
"Also, ich bin der Timmy, und das da ist Flo, mein bester Freund. Aber sag mal, wo liegt den dieses Land, wo Du herkommst?" Gwendolin überlegte einen Augenblick, dann von der Kante des Blumentopfes herunter und tappelte mit Timmy zum Sofa zurück. "Is' ein bisschen bequemer hier." Beide machten sie es sich auf dem Kissen bequem.

" Meine Heimat ist das Trösterseelenland," begann sie zu erzählen. " Dort leben ganz viele Trösterseelchen, so nennt man uns. Aber wir sehen alle ganz verschieden aus. Manche sehen aus wie Schneeflöckchen, manche sind so braun wie ich, manche wiederum ganz bunt." In uns steckt ganz viel Liebe und wir werden oft an Orte geschickt, um Menschen und auch Teddys zu trösten." Timmy schaute die kleine Gwendolin ganz erstaunt an. Er hatte angenommen, das die Aufgabe eines Teddys unter anderem sei, zu trösten. Und, das sie selber keinen Trost brauchten. "Schau," sagte Gwendolin freundlich, " es gibt manchmal auch Teddys, die getröstet werden müssen. Das geschieht aber zum Glück nicht so oft.."

" Timmy, musst Du denn getröstet werden?" leise kichernd kuschelte sie sich an Timmy, denn, das machen Trösterseelen für ihr leben gern, kuscheln."Neee," grinste Timmy, "Ich hab ja den Flo, und unglücklich bin ich nicht. Nee, ganz bestimmt nich'. -- Aber sag mal, was hast denn Du da überall am Pulli und in den Haaren? Das... sind ja ...." ".... Knöpfe!!!!" Gwendolin zappelte ganz aufgeregt auf ihrem Kissen. " Ich liebe Knöpfe! Hast Du Knöpfe,? Knöpfen gucken!!!!!!" Ganz verdattert schaute unser Timmy zuerst den Flo und dann die kleine, schüchternde Gwendolin an, die auf einmal gar nicht mehr so schüchtern war. Ja so war das mit dem Seelchen, gemacht zum die Seele zu trösten bei Traurigkeit und Kummer, aber wenn Knöpfe ins Spiel kamen, waren sie nicht mehr zu halten und krochen in die Knöpfeschachtel. Und dann sagte Gwen: "Timmy und Flo, wisst Ihr, was eine Regel im Trösterseelenland ist?
'Wir Trösterseelen verlieren jedes Mal, wenn wir jemanden trösten, ein Haar. Um zu
vermeiden, dass keine Haare mehr nachkommen, muss man die Trösterseelen
glücklich machen, was ziemlich einfach ist. Wir lieben Knöpfe über alles . Drum haben wir überall Köpfe angenäht, wo es nur geht, damit wir keine Haare verlieren.' "
Das also ist meine Trösterseele. Ich mag sie, auch wenn sie so ganz anders aussieht als ein Teddy, ungewohnt, aber ungemein liebenswert-
Zu Glück und Freude sind eigentlich nur
eine Portion Phantasie nötig.
Otto Milo
Liebe Grüsse, Beate